
Die Pubertät ist bekanntlich eine Zeit großer Veränderungen und Herausforderungen – sowohl für Jugendliche als auch für ihre Eltern. Viele Mütter und Väter fragen sich: Wie erkenne ich, ob mein Kind „nur“ mitten in der Pubertät steckt oder ob Anzeichen für eine Depression vorliegen? Die richtige Einschätzung ist wichtig, um Unterstützung anbieten zu können.
Pubertät: Wenn Stimmungen schwanken und das Leben Kopf steht
Jugendliche erleben in dieser Phase oft:
- Stimmungsschwankungen – mal himmelhochjauchzend, mal zutiefst betrübt
- Rückzug, Reizbarkeit und Unsicherheit
- Fragen zu Sinn, Identität und Selbstwertgefühl
Wie Prof. Carola Bindt (2021) von der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf betont: „Es gehört durchaus zum Jugendalter dazu, mal traurig zu sein, Selbstzweifel zu haben und den Sinn des eigenen Daseins infrage zu stellen“ (Bindt, 2021, S. 34). Solche Stimmungen sind meist vorübergehend. Erst wenn sie sich über Wochen halten oder der Alltag massiv beeinträchtigt ist, sollten Eltern genauer hinschauen.
Depression: Wenn die Belastung zu groß wird
Depressive Störungen sind im Jugendalter keine Seltenheit – sie unterscheiden sich jedoch von typischen Stimmungstiefs. Warnzeichen sind zum Beispiel:
- Anhaltende Traurigkeit oder Leere
- Wenig Freude an sonst beliebten Aktivitäten
- Starke Erschöpfung, Schlafstörungen
- Selbstvorwürfe und Hoffnungslosigkeit
- Rückzug von Freunden und Familie, Leistungsabfall
Aktuelle Studien zeigen: „Depressive Störungen treten vor allem in der Pubertät erstmalig gehäuft auf und unterscheiden sich von normalen Stimmungsschwankungen deutlich“ (Banaschewski & Hölter, 2022, S. 112). Besonders wichtig: Jugendliche zeigen Depression oft anders als Erwachsene – zum Beispiel durch Reizbarkeit statt durch offensichtliche Traurigkeit.
Warum kommt es zur Depression? Einblick aus psychodynamischer Sicht
Depressionen entstehen meist durch das Zusammenspiel verschiedener Faktoren:
- Belastende Erlebnisse in Familie oder Schule
- Soziale Konflikte und hoher Leistungsdruck
- Genetische und biologische Einflüsse
Aus psychodynamischer Sicht können ungelöste innere Konflikte, etwa um Selbstwert, Zugehörigkeit und Unabhängigkeit, eine Rolle spielen. „Gerade in der Identitätsfindung der Adoleszenz werden emotionale Verletzlichkeiten und Konflikte deutlich, die das Risiko für depressive Entwicklungen erhöhen können“ (Ermann & Rohde, 2019, S. 56).
Was sollten Eltern beachten?
Achten Sie besonders darauf, wenn
- sich Symptome über mehrere Wochen nicht bessern
- Ihr Kind sich extrem zurückzieht oder Interessen verliert
- Suizidgedanken, Selbstverletzungen oder eine tiefe Hoffnungslosigkeit auftreten
Hier ist es wichtig, nicht zu urteilen, sondern offen zu sprechen und bei Unsicherheit fachlichen Rat einzuholen. Studien belegen: „Gut informierte Eltern können maßgeblich dazu beitragen, dass Jugendliche rechtzeitig die passende Hilfe bekommen“ (Fegert et al., 2020, S. 221).
Praktische Tipps für den Alltag
- Beobachten Sie Veränderungen aufmerksam, aber ohne Vorwürfe
- Suchen Sie das Gespräch in ruhiger Atmosphäre und zeigen Sie Verständnis
- Kontaktieren Sie Fachleute (Hausarzt, Schulpsychologe, Psychotherapeut), wenn Sie unsicher sind
Fazit
Stimmungsschwankungen gehören zur Pubertät, aber anhaltende Hoffnungslosigkeit, Rückzug und Interessenverlust sollten Eltern ernst nehmen. Je früher Sie Unterstützung suchen, desto besser kann Ihrem Kind geholfen werden. Sie sind damit ein wichtiger Anker auf diesem manchmal stürmischen Weg ins Erwachsenenleben.
Eltern müssen nicht alles allein stemmen
Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Kind über einen längeren Zeitraum leidet oder die Situation Sie verunsichert, holen Sie sich Unterstützung. Oft hilft schon ein beratendes Gespräch, Sorgen zu sortieren und weitere Schritte gemeinsam zu planen. In meiner Privatpraxis für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie bin ich gerne für Sie und Ihr Kind da. Zusammen finden wir heraus, wie es Ihrem Kind geht und welche Form der Hilfe am sinnvollsten ist. Sie können sich jederzeit – auch bei Unsicherheiten – vertrauensvoll an mich wenden.
Herzlichst,
E. Salmaier
Quellenverzeichnis
Banaschewski, T., & Hölter, S. M. (2022). Depressive Störungen im Kindes- und Jugendalter. In K. Henningsen & H. Remschmidt (Hrsg.), Psychiatrie des Kindes- und Jugendalters (8. Aufl., S. 110–128). Springer.
Bindt, C. (2021). Psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter erkennen. In A. Becker-Stoll & S. Schnabel (Hrsg.), Entwicklung begleiten (S. 33–41). Beltz.
Ermann, M., & Rohde, A. (2019). Lehrbuch der Psychodynamik: Psychische Störungen aus psychoanalytischer Sicht (5. Aufl.). Kohlhammer.
Fegert, J. M., Berthold, O., & Clemens, V. (2020). Depressionen im Jugendalter – Erkennbarkeit und Prävention. Deutsches Ärzteblatt, 117(14–15), 220–225.

